Operation Schwarze Dahlie

Text & Regie Gerhard Schütz

Kleines Theater am See - zum Vierten

LIEBE & VERRAT IN ZEITEN DER RESISTANCE

Ein Theatertext, das sind in den meisten Fällen etwa 50 Seiten Dialog und szenische Hinweise, gegliedert in 3 oder 5 „Akte“ oder mehr oder weniger zahlreiche „Bilder“. Wohl geplante Ortswechsel und Zeitsprünge erlauben eine abwechslungsreiche Handlung und wechselnde Figuren-Konstellationen. Soweit der Normalfall.
Aber es geht auch mal anders. So wie in der vierten Produktion von „Kleines Theater am See“ in Merligen: Im neuen Stück von Gerhard Schütz, der auch die Regie und zusammen mit seiner Frau Erika Schütz die ganze Produktion verantwortet, gibt es einen einzigen Handlungsort - ein Atelier in einem Treibhaus. Und es gibt 9 Personen, die bis auf eine durchgehend auf der Bühne sind. Das heisst auch: Die gespielte Zeit von 90 Minuten ist zugleich die Spielzeit der Handlung - eine interessante Herausforderung für die Mitwirkenden und eine spannende Ausgangslage für das Publikum.
Die Geschichte spielt im Milieu der französischen Résistance im Südburgund. Biografien von Beteiligten, lokal und regionalgeschichtliche Unterlagen sowie Fiktives wie Filme und Romane bildeten den „Fond“ für dieses Stück, welches nun zufällig am 75. Jahrestag des Endes des 2. Weltkriegs Première haben wird (8. Mai 2020).

Zum Stück:

Sie könnten unterschiedlicher nicht sein, die vier Frauen und fünf Männer, die sich im Sommer 1959 im Gewächshaus eines abgelegenen Manoirs im Südburgund treffen:
Die Schriftstellerin Yvonne, die Hausverwalterin Valentine, die Nachtlokalbesitzerin Virginie, die Lehrerin Sophie, der Steuerinspektor Charles, der Anwalt Lebruneau, der Grossmetzgerei-Besitzer Jules, der Drucker Philippe und der Priester Marcel.
Aber was verbindet sie dann?
Sie waren 1943/44 Mitglieder einer Résistance-Gruppe zwischen Cluny und Tournus, im Maquis von Brancion. Im Gewächshaus bereiteten sie ihre streng geheime "Operation Schwarze Dahlie“ vor. Doch sie wurden an die deutschen Besatzer verraten. Und ihr Chef Camille musste sterben. Wer war der Verräter?
Die Abendgesellschaft beginnt ganz harmlos mit dem Austausch nostalgischer Erinnerungen, aber es bleibt nicht lange dabei... Die neunzig Minuten gespielter Zeit (und zugleich Spielzeit) entwickeln einen unaufhaltsamen Sog, in dem nur die Chansons von Valentine zwischendurch eine kleine Atempause bringen.
Ein Stück von grosser innerer Spannung, ein Stück über Erinnern und Vergessen, Wahrheit und Lüge, Leidenschaft und kühles Taktieren. Ein Stück mit mutigen Menschen, die in einer schweren Zeit einen Kampf für die Freiheit führten, einen Kampf auf Leben und Tod, die aber manchmal auch an ihren eigenen Schwächen und Leidenschaften scheiterten.
Die Aufführungen finden wiederum im Empire- Saal des Hotels Beatus Merligen statt, diesmal mit Blick nach draussen in die Abenddämmerung, die nach und nach vom Bühnenlicht abgelöst wird, welches am Schluss auf einen einzigen, letzten Lichtkegel reduziert ist, gerichtet auf eine Person, die eben eine folgenschwere Entscheidung getroffen hat...
Wie heisst es jeweils in französischen Film- und Theaterkritiken? „A voir absolument!“


„Die Résistance war ein Kampf für die Freiheit,
ein Kampf auf Leben und Tod.“
Lucie Aubrac