Operation Schwarze Dahlie

Text & Regie Gerhard Schütz

Kleines Theater am See - zum Fünften

LIEBE & VERRAT IN ZEITEN DER RESISTANCE

Ein Theatertext, das sind in den meisten Fällen etwa 50 Seiten Dialog und szenische Hinweise, gegliedert in 3 oder 5 „Akte“ oder mehr oder weniger zahlreiche „Bilder“. Wohl geplante Ortswechsel und Zeitsprünge erlauben eine abwechslungsreiche Handlung und wechselnde Figuren-Konstellationen. Soweit der Normalfall.
Aber es geht auch mal anders. So wie in der fünften Produktion von „Kleines Theater am See“ in Merligen: Im neuen Stück von Gerhard Schütz, der auch die Regie und zusammen mit seiner Frau Erika Schütz die ganze Produktion verantwortet, gibt es einen einzigen Handlungsort - ein Atelier in einem Treibhaus. Und es gibt 9 Personen, die bis auf eine durchgehend auf der Bühne sind. Das heisst auch: Die gespielte Zeit von 90 Minuten ist zugleich die Spielzeit der Handlung - eine interessante Herausforderung für die Mitwirkenden und eine spannende Ausgangslage für das Publikum.
Die Geschichte spielt im Milieu der französischen Résistance im Südburgund. Biografien von Beteiligten, lokal und regionalgeschichtliche Unterlagen sowie Fiktives wie Filme und Romane bildeten den „Fond“ für dieses Stück.

Zum Stück

Sie könnten unterschiedlicher nicht sein, die vier Frauen und fünf Männer, die sich im Sommer 1963 im Gewächshaus eines abgelegenen Manoirs im Südburgund treffen: Die Schriftstellerin Yvonne, die Hausverwalterin Valentine, die Nachtlokalbesitzerin Virginie, die Internats- Leiterin Sophie, der Steuerinspektor Charles, der Anwalt Lebruneau, der Grossmetzgerei- Besitzer Jules, der Drucker Philippe und der Priester Marcel. Was verbindet sie?
Sie waren 1943/44 Mitglieder einer Résistance- Gruppe zwischen Cluny und Tournus, im Maquis von Brancion. Im Gewächshaus bereiteten sie ihre streng geheime „Operation Schwarze Dahlie“ vor. Doch ihr Chef Camille kam ums Leben, weil die Gruppe an die deutschen Besatzer verraten wurde. Wer war es?
Die Abendgesellschaft beginnt ganz harmlos mit dem Austausch nostalgischer Erinnerungen, aber es bleibt nicht lange dabei... Die hundert Minuten gespielter Zeit (und zugleich Spielzeit) entwickeln einen unaufhaltsamen Sog, in dem nur die musikalischen Momente zwischendurch eine kleine Atempause bringen.
Ein Stück von grosser innerer Spannung, ein Stück über Erinnern und Vergessen, Wahrheit und Lüge, Leidenschaft und kühles Taktieren. Ein Stück mit mutigen Menschen, die in einer schweren Zeit Grosses vollbrachten, aber manchmal auch an ihren eigenen Schwächen und Leidenschaften scheiterten.
Die Aufführungen finden wiederum im Empire- Saal des Hotels Beatus Merligen statt, diesmal mit Blick nach draussen in die Abenddämmerung, die nach und nach vom Bühnenlicht abgelöst wird, welches am Schluss auf einen einzigen, letzten Lichtkegel reduziert ist, gerichtet auf eine Person, die eben eine folgenschwere Entscheidung getroffen hat...
Wie heisst es jeweils in französischen Film- und Theaterkritiken? „A voir absolument!“


„Die Résistance war ein Kampf für die Freiheit,
ein Kampf auf Leben und Tod.“
Lucie Aubrac